Ein Lebenszeichen

Ich lebe noch! Zumindest noch. Auch wenn es jetzt etwas mehr als zwei Monate her ist, habe ich euch nicht vergessen. Leider fehlt im Moment einfach die Zeit. Genau genommen nicht nur fürs Bloggen, sondern auch für all das, was man sonst als Leben bezeichnet. Da ich gerade keine Lust mehr habe an meinem stetig wachsenden Aufgabenberg zu arbeiten, gibt es jetzt einen kleinen Zwischenstand.

Ihr fragt euch sicher, was ich die letzte Zeit gemacht habe. Ziemlich pünktlich zu Semesterbeginn kam die letzte Meldung von mir und das ist schon ein bisschen her. Dieses Semester steht ein zweites Entwurfsseminar auf dem Programm. Das aus der Bauphysik war ja letztes Semester dran, dieses Mal ist es das aus dem konstruktiven Bereich. Passend zu dem normalerweise zeitraubenden Seminar wollte ich dieses Semester auch ein wenig kürzer treten. Also plante ich statt 30 Leistungspunkten nur 21. Das waren dann das Entwurfsseminar, ein Modul aus der Siedlungswasserwirtschaft, noch ein Vertiefungsmodul und Medizin für Ingenieure. Die Betonung liegt auf waren. Denn das Entwurfsseminar ist mal wieder etwas mehr ausgeartet und ich schaffe das Vertiefungsmodul einfach nicht mehr. Jetzt habe ich aktuell noch 15 Leistungspunkte, also die halbe Normbelastung. Dafür schiebe ich aber auch Sonderschichten.

Geplant war das nicht, aber so ist das nun bei einem Entwurfsseminar: Betreuer, die keinen Plan von der Aufgabenstellung haben, auch nicht vorhaben diese jemals zu können und dafür aus Prinzip nicht auf Mails antworten. Und wenn man den Betreuer mal bei einem Überraschungsangriff festnageln konnte, dann will er in der Berechnungsphase nochmal den Entwurf grundlegend ändern. Da kommt Freude auf. Nicht. Dazu kommt noch unser viertes Gruppenmitglied, dass irgendwie bei uns gelandet ist und das wir nicht mehr losbekommen. Das ist die also die Geschichte von Hans.

Hans ist kein gewöhnliches Gruppenmitglied. Ich fange mal von vorne an. Hans ist irgendwie in meiner Gruppe gelandet. Keine Ahnung warum. Irgendwie hat er uns alle schon einmal gesehen und ehe wir ihn wieder losbekommen konnten hatten wir ihn an der Backe. Am Anfang war das ja noch ganz in Ordnung, immerhin war er halbwegs nett und hat jetzt nicht den unfähigsten Eindruck gemacht. Doch schon bald lernten wir seine verborgenen Talente kennen. Eines ist seine Anwesenheit. Es gibt praktisch keinen, der mehr Präsenz an der Uni (und im Rechnerpool) hat als er. Leider hält der Output seiner Tätigkeiten nicht mit seiner Präsenz mit, bei genauerer Betrachtung verhält sie sich genau entgegengesetzt. Sein Output ist sehr, sehr übersichtlich, um nicht zu sagen nahezu nicht vorhanden. Selbst ein Kindergartenkind an seiner Stelle hätte mehr Output als er. Mühelos.

Im ersten Aufgabenteil ist das noch nicht so aufgefallen, das war eine kurze Recherche zu einem Thema, zu dem es praktisch nichts gibt und wir haben alle nur mit Mühe genug für einen zehnminütigen Vortrag zusammenbekommen. Er kam noch auf die Idee „schnell“ irgendwas in seinen Part für die Präsentation reinzubasteln. Dieses schnell hat er aber auch nicht wirklich verstanden und statt einer Minute hat er sich daran dann fünf aufgehalten. Mit dem Ergebnis, dass wir die Präsentation dann auch um fünf Minuten überzogen haben. Das kommt bei den Entwürfen nicht so gut an, die achten da ziemlich auf die Zeit.

In Teil zwei sollten wir pro Nase einen Entwurf abliefern. Wessen Entwurf war nicht fertig? Seiner. Also haben wir uns zwei Stunden vor Präsentation hingesetzt und haben seine Zeichnungen gezeichnet. Begeisterung sieht anders aus. Wenn der Entwurf wenigstens gut gewesen wäre. Es waren aber nur ein paar zusammengeschusterte Standardprofile in einer völlig wahnwitzigen Dimensionierung. Dementsprechend froh waren wir auch, als wir nicht seinen Entwurf weiterverfolgen sollten.

Weiter ging es mit dem dritten Teil. Hier kamen noch ein paar verborgene Talente von Hans zum Vorschein: Los ging es darum, dass wir laut ihm noch den Tunnel zu unserem Bauwerk mitberechnen sollten, weil sich das ja so gehört. Nach zwei Stunden hatten wir ihn wieder so weit eingenordet, dass wir das lassen. In der Aufgabenstellung stand ja auch wörtlich, dass wir NUR das Bauwerk berechnen sollen und uns der Rest egal sein kann. Die Fortsetzung folgte in der Sprechstunde. Hier erblühte sein Bestreben uns zusätzliche Arbeit aufzuhalsen. Ich hatte ihn schon dahingehend eingewiesen, dass er bitte keine neuen Vorschläge bringen soll und er einfach ruhig sein soll. Soweit zur Theorie. In der Praxis kam er dann auf die Idee wieder seinen Tunnel vorzuholen. Dieser Vorschlag wurde glücklicherweise von uns zusammen mit dem Betreuer abgebügelt. Weiter ging es dann mit seinem Vorschlag die Verkehrslasten nicht mehr nach DIN Fachbericht zu berechnen, sondern aufgrund der möglichen Kapazität nach einem eventuellen Ausbau (den unser Bauwerk nicht überlebt) und anhand von nicht vorhandenen realen Verkehrszahlen. Es hat schon viel Mühe gekostet ihm das wieder auszureden. Denn was er mal wieder nicht bedacht hat: Das ist alles zusätzliche Arbeit, denn nach DIN hatten wir das schon für den Aufgabenteil zwei berechnet. Wenigstens gab er sich damit für diese Besprechung geschlagen. Und auch für die restliche Zeit von Aufgabenteil drei. Von ihm kam nämlich nichts mehr. Während wir alle rechneten, zeichneten und entwarfen machte er irgendwas. Was wissen wir nicht, denn es kam keinerlei messbares Ergebnis dabei raus. Jedenfalls wenn man von dem Versuch absieht uns dazu zu überreden, dass wir das gesamte Gelände im Umkreis von 400 Metern detailliert graphisch erfassen. Relevanz für das Projekt: Vielleicht minimal schönere 3D-Graphiken. Danach verschwand er erst einmal für eine Woche vollständig. Mit dem Buch einer Kollegin, die es wieder zurückgeben musste. Er antwortete auch nicht mehr auf Mails. Die Begründung war, dass er weder zu Hause, noch in der Arbeit, geschweige denn an der Uni Internet hatte. Seltsam, bei uns hat zur gleichen Zeit das Internet in der Uni wunderbar funktioniert… Die Folge war, dass er für die Präsentation die Schlussthemen bekam, mit der strikten Anweisung nur die Folien vorzulesen, von mehr hatte er ja eh keine Ahnung. Wenigstens hat er das dieses Mal unfallfrei hinbekommen.

Jetzt sind wir bei Teil Nummer vier. Der letzte. Wird auch Zeit. Pro Nase gilt es zwei Details auszuarbeiten. Allerdings war die Aufteilung nicht so einfach. Zwar war Hans nicht bei der Verteilung dabei, aber es gab da zwei gegensätzliche Ziele: Da er vorher schon so wenig gemacht hat, wollten wir ihm jetzt nicht die leichten Details geben. Anderseits hatten wir die Befürchtung, dass er wieder nichts macht und alles dann dementsprechend wieder auf uns zurückfällt. Da wäre es doch wirklich blöd, wenn wir dann unter Zeitdruck die schwierigen Sachen durchpeitschen müssen und die uns auf die Füße fallen. Entschieden haben wir uns für den Mittelweg. Ein leichtes und ein mittelschweres für ihn. In der Hoffnung, dass er vielleicht doch noch etwas tut und wir eine Chance haben das im Zweifel wieder geradezubiegen.

Das war jetzt die Geschichte von Hans. Das musste einfach mal raus. Denn neben den Details will noch die Globalstatik gerechnet werden. Und die ist längst nicht so einfach, wie sie aussieht. Vermutlich ist sie am Ende mühelos in der Lage Einbrecher außer Gefecht zu setzen. Langsam geht das Arbeitspensum auch an die Substanz. Ich habe zwar offiziell nur die Hälfte des Arbeitsumfanges, schiebe aber schon das ganze Semester Sonderschichten. Dass ich die Zeit unter der Woche vom Pendeln wieder reinholen muss, ist klar, aber dieses Semester hole ich auch jedes freie Wochenende rein.

Für heute habe ich allerdings Feierabend gemacht und lieber diesen Beitrag hier geschrieben. Das tut auch mal gut. Meine Wochenarbeitszeit habe ich übrigens schon seit langem drin. Mal nachzählen… Diese Woche waren das 75 Stunden für die Uni.

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