Das Bachelor- und Mastersystem

Der letzte Beitrag ist ja schon einige Zeit her. Seit dem gab es noch zwei Klausuren und die Vorbereitung für das neue Semester wollte auch gemacht werden… Und pünktlich zum Beginn der Vorlesungszeit (der war Montag) tauchen dann immer wieder diese eine Frage auf: Wie ist das jetzt eigentlich mit Bachelor und Master?

So einfach lässt sich diese Frage nicht beantworten. Die Grundzüge (nämlich der akademische Grad) ist gleich, aber der Rest hängt sehr stark von der Uni oder Fachhochschule (FH) ab. Ziel von der Bologna-Reform war es eigentlich, dass man einfacher zwischen den Hochschulen wechseln kann und man mehr Flexibilität rein bringt. Ich kenne zwar das Diplom-System nicht, aber so sonderlich flexibel ist das neue System  jetzt auch nicht.

Aber wie lange dauert das denn jetzt? Gleich diese Frage ist eine gute Frage! Das kommt nämlich auf die Hochschule an. Normalerweise beträgt die Regelstudienzeit an der Uni im Bachelor 6 Semester (3 Jahre), an der FH normalerweise 7 Semester, weil die noch ein Praxissemester haben. Es gibt allerdings auch FHs die z.B. Architekten einen Bonus bis zur Eintragungsmöglichkeit in die Architektenkammer geben wollen und deren Bachelorstudium dann 8 Semester (mit entsprechend mehr Leistungspunkten) dauert. Das konsekutive Masterstudium (baut auf das Bachelorstudium auf) dauert normalerweise 4 Semester, wenn der Bachelorstudiengang umfangreicher war, dann eventuell auch nur 3 oder 2. Wie man sieht ist Bachelor nicht gleich Bachelor und Master nicht gleich Master, sondern es kommt auf die Dauer und die Leistungspunkte an.

Was bedeuten denn die Abkürzungen beim akademischen Grad? Normalerweise bezeichnet der erste Buchstabe den akademischen Grad, also Bachelor und Master, die weiteren die Fachrichtung. Die ausnahme bilden hier die Rechtswissenschaften und die nicht konsekutiven Masterstudiengänge. Die Abschlussbezeichnungen in Deutschland nach der Kultusministerkonferenz von 2003 sind:

  • Bachelor of Arts (B.A.) / Master of Arts (M.A.): Sozial-, Sprach-, Kultur-, Informations- und Wirtschaftswissenschaften
  • Bachelor of Science (B.Sc.) / Master of Science (M.Sc.): Die klassischen MINT-Fächer (wie Mathematik, Informatik, Natur-, Technik- und Ingenieurwissenschaften), Wirtschaftswissenschaften und Psychologie
  • Bachelor of Laws (LL. B.) / Master of Laws (LL. M.): Rechtswissenschaften
  • Bachelor of Education (B.Ed.) / Master of Education (M.Ed.): Lehramtsstudiengänge
  • Bachelor of Enineering(B.Eng) / Master of Engineering(M.Eng.): Ingenieurwissenschaften
  • An Kunst- und Musikhochschulen gibt es zusätzlich zu B.A. und M.A.: Bachelor / Master of Fine Arts (B.F.A. / M.F.A.): Bildende Kunst, Bachelor / Master of Music (B.Mus. / M.Mus.): Musische Studiengänge und Bachelor of Musical Arts (B.M.A): Operngesang

Was ist eigentlich ein Modul? Grob gesagt ist ein Modul ein Fach. Jedenfalls so ähnlich. Ein Modul ist eine Lerneinheit zu einem Thema, das sich aus mehreren Teilen zusammensetzen kann. Ein Modul kann also nur aus einer Vorlesung oder einem Seminar bestehen, muss es aber nicht. Bei uns ist es zum Beispiel so, dass häufig Vorlesungen, Übungen und Tutorien getrennt in das Vorlesungsverzeichnis geschrieben werden, diese aber zusammen ein Modul bilden. Es gibt auch Module, die sich aus mehreren Teilvorlesungen zusammensetzen, da steht dann zum Beispiel drin, dass sich das Modul aus der ersten Hälfte der Vorlesung xy und aus der zweiten Hälfte der Vorlesung xz zusammensetzt.

Was sind Leistungspunkte?Um die Leistungen im Studium vergleichbar zu machen, hat man die Leistungspunkte eingefüht. Dabei soll ein Leistungspunkt 30 Stunden Arbeitszeit entsprechen. So weit zur Theorie. In der Regel kann man sagen, dass 1 SWS Vorlesung/Übung/Tutorium mit Vor- und Nachbereitung 1 LP bringt und die Differenz zur Modulpunktzahl dann je nach Modul für Klausurvorbereitung, Hausarbeiten, Vorträge, Hausaufgaben und eigenständiges Lernen drauf geht. Vorsicht ist hierbei bei Seminaren geboten, die keine/kaum Vorlesungsanteil haben. Da geht der Aufwand dann gerne durch die Decke. Bei uns erfordern die Entwurfsseminare für 6 LP mindestens so viel Arbeit wie normale Module für 12 LP. Da driftet das dann leider ein bisschen auseinander.

Wofür braucht man die Leistungspunkte? Um die geleistete Arbeit vergleichbar zu machen. Zum einen innerhalb des Studiums an einer Hochschule, aber auch nach außen. Dadurch kann man den Aufwand von verschiedenen Lehrveranstaltungen grob vergleichen. Je nach Regelstudiendauer muss man eine gewisse Punktzahl an Leistungspunkten sammeln, damit man dann seinen Abschluss erhält. Das sind 30 LP pro Semester. Wenn man Bafög bezieht, dann achtet da das Bafög-Amt mit Argusaugen darüber, dass man in der Regelstudienzeit bleibt und seine 30 LP pro Semester schreibt. Allerdings ist es je nach Studiengang und Fach unterschiedlich schwer sie zu sammeln. Gerade bei „BWL-Fächern“ oder anderen weniger anspruchsvollen kann man schon mehr als 30 LP pro Semester schreiben, wenn man sich dagegen 24 Punkte aus konstruktiven Fächern und noch ein Entwurfsseminar in einem Semester ausgesucht hat, dann ist das durchaus ambitioniert. Da bleibt dann für einen Studentenjob keine Zeit mehr.

Welche Prüfungsformen gibt es? Bei uns gibt es da drei: Schriftlich, mündlich und die prüfungsäquivalente Studienleistung. Letztgenannte ist einfach alles andere, was sich das Fachgebiet raussuchen kann. Darin können dann auch die Leistungen während des Semesters eingehen. Einzige Begrenzung bei denen: Ein Test darf nicht länger als 90 Minuten dauern. Das ist auch gut, denn einige Fächer neigen zum Übertreiben. Für ein 6 Punkte-Modul musste ich einmal eine große Technische Zeichnung und ein Projekt mit grober Vorbemessung machen, nur um mir dann noch mit zwei Tests a´90 Minuten die Kante geben zu dürfen. Dabei waren sie noch gnädig und man musste nur 3 von 4 Leistungen bestehen.

Was geht in die Abschlussnote ein? Das kommt auch wieder auf die Hochschule und die aktuelle Prüfungsordnung an. Bei mir geht noch alles 1:1 gewichtet ein, das heißt, dass jede Modulnote mit der Gewichtung der Leistungspunkte für das Modul eingeht. Ich bin damit sehr zufrieden, vor allem, weil man nichts für Lau macht und man ein bisschen was über den Wahlbereich ausgleichen kann. Die neue Prüfungsordnung sieht jedoch etwas anderes vor, da neuerdings nur maximal 80% in die Abschlussnote eingehen sollen. Und das Was ist auch schon geklärt: Einige Grundlagenmodule muss man nur noch bestehen und der gesamte Freie-Wahl-Bereich geht nicht mehr in die Bewertung ein, dafür wird dann aber die Abschlussarbeit höher gewichtet. Die Grundidee ist gut, aber man hätte ja noch die Wahl lassen können und einen gewissen Punkteanteil aus dem Pflicht- und Wahlbereich aus der Benotung ausklammern können. Denn so ist nichts gewonnen, nur, dass man bei den Wahlbereichen, wo man über den Tellerrand blicken soll, keinerlei Ansporn mehr hat eine Klausurvorbereitung zu machen, da man ja nichtbestandene Module austauschen kann und die Note völlig egal ist. Aber ich schweife gerade ab…

Wie sieht das jetzt mit einem Wechsel des Studienortes aus? Hier mal ein Beispiel: Ich komme von einer Hochschule A und habe während dem Studium auf Hochschule B gewechselt, wo ich mir nun eine bestandene Leistung von A anerkennen lassen möchte. Und zwar nicht als freie Wahl (da juckt das niemanden) sondern als Pflichtmodul (also Pflichtfach). Als erstes wirft man nun einen Blick in die Studien- und Prüfungsordnung seines Studiengangs und liest die erst einmal aufmerksam durch. Denn einige Hochschulen haben da sogenannte Ausschlussklauseln stehen: „Von folgenden Hochschulen können wir aufgrund zu stark abweichender Inhalte keine Leistungen aus dem Bereich Blablabla anerkennen.“ Hat man erst einmal diese Hürde elegant genommen, geht es weiter. Damit die Leistung anerkannt werden kann, müssen die Inhalte und Umfang von der gemachten Leistung mit der anzuerkennenden Leistung übereinstimmen. Das dokumentiert man bestenfalls mit Laufzetteln, bei denen dann der jeweilige Prof von A schriftlich bestätigt, dass er folgende Themengebiete in der Vorlesung xy behandelt hat. Das freut alle, da jeder weiß woran er ist und der anerkennende Prof des Moduls von B nicht mehr alle Unterlagen zur Einordnung zu sichten braucht. Bei manchen Fächern ist so eine Anerkennung relativ gut möglich, da sich die Namen ähneln und auch der behandelte Stoff in etwa gleich ist. Dabei gilt: Wenn man in A mehr Leistungspunkte darauf bekommen hat (also den Stoff besser behandelt hat), dann ist das normalerweise kein Problem mit der Anerkennung, aber es gibt nur die Punkte drauf, die man bei B dafür bekommen würde, der Rest verfällt. Falls da noch ein oder zwei Punkte fehlen, aber das Ganze ansonsten stimmt, dann kann man meistens mit dem Prof handeln. Das endet meistens in einer kurzen Hausarbeit zu einem dazugehörenden Themengebiet. Also auch kein großes Problem. Schwieriger wird es wenn die Module anders zugeschnitten sind. Dann muss man die Module zerlegen und aus den Einzelteilen wieder neue Module basteln. Geht grundsätzlich auch, aber ich musste das zum Glück noch nicht ausprobieren.

Ich hoffe euch hat diese kleine Einführung in das Bachelor- und Mastersystem gefallen und ihr versteht das jetzt ein bisschen besser. Wenn ihr dazu noch Fragen habt, nur zu! Vielleicht schaffe ich es jetzt wieder ein bisschen häufiger zu bloggen.

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