Marrce lernt Brandschutz – Einführung

Der Brandschutz ist ein spannendes Thema, in dem vieles ineinander greift. Darum gibt es jetzt erst einmal eine kleine Einführung in diesen Bereich.

Ich habe mich dazu entschlossen, als Grundlage die Musterbauordnung (MBO/MBauO) von 2012 zu nehmen. Diese gilt zwar in keinem Bundesland, aber sie stellt eine Vorlage für die Landesbauordnungen dar, die sich an diese mehr oder weniger stark anlehnen.

Wenn wir in die MBO schauen, dann steht da, dass wir nicht irgendwelche Baustoffe für unser Gebäude verwenden dürfen, sondern diese Bauprodukte in irgendeiner Weise zugelassen und geprüft sein müssen. Ich erspare euch an dieser Stelle die genaue Regelung, wer Interesse hat, kann gerne einen Blick in die MBO werfen. Grundsätzlich gibt es jedoch drei „Stufen“ der Zulassung: Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (AbZ), das allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnis (AbP) und die Zustimmung im Einzelfall (ZiE).

Vor der europäischen Harmonisierung durch eine Verordnung gab es in Deutschland die Bauproduktenverordnung (BauPVO 2011), in der auch die Grundanforderungen an die Gebäude genannt werden. Dies sind

  1. die mechanische Festigkeit und die Standsicherheit
  2. der Brandschutz
  3. der Komplex Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz
  4. die Sicherheit und die Barrierefreiheit bei der Nutzung
  5. der Schallschutz
  6. die Energieeinsparung und der Wärmeschutz
  7. die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen

Wenn man beim Brandschutz noch ein wenig weiter liest, dann steht hierzu folgendes:

Das Bauwerk muss derart entworfen und ausgeführt sein, dass bei einem Brand

a) die Tragfähigkeit des Bauwerks während eines bestimmten Zeitraums erhalten bleibt;

b) die Entstehung und Ausbreitung von Feuer und Rauch innerhalb des Bauwerks begrenzt wird;

c) die Ausbreitung von Feuer auf benachbarte Bauwerke begrenzt wird;

d) die Bewohner das Bauwerk unverletzt verlassen oder durch andere Maßnahmen gerettet werden können;

e) die Sicherheit der Rettungsmannschaften berücksichtigt ist.

Viel gibt es zu dieser Bestimmung nicht zu sagen, die Anforderungen sind ziemlich eindeutig und unmissverständlich definiert und klingen auch einleuchtend.

Die MBO (2012) meint dazu folgendes:

Bauliche Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind.

Was bei einem Gebäude dann tatsächlich wie umgesetzt werden muss, steht an einer anderen Stelle in der MBO. Das richtet sich nach den Gebäudeklassen, diese werde ich aber in einem anderen Artikel vorstellen. Bei den größeren Gebäuden spricht auch die Feuerwehr noch ein Wörtchen mit. Es ist aber auf keinen Fall ratsam ein Bauwerk nach Bauordnung durchzudrücken, wenn die Feuerwehr Bedenken hat. Denn letztere hat im Zweifel die Ehre zu löschen und weiß normalerweise auch ganz gut wozu sie löchtechnisch in der Lage ist.

Im nächsten größeren Punkt möchte ich auf die Arten des Brandschutzes zu sprechen kommen, denn die möglichen Maßnahmen werden in verschiedene Kategorien unterteilt:

Der vorbeugende bauliche Brandschutz. Wie der Name schon sagt: Vorbeugend, also bevor es brennt. Ziel ist hierbei das Gebäude so zu bauen, dass ein Brand in einem Teilbereich nicht auf die anderen Bereiche übergreift oder der Übergriff eine gewisse Zeit begrenzt wird. Das heißt vor allem mit möglichst schlecht brennenden Materialien zu arbeiten und insbesondere die Fluchtwege aus nicht brennbaren Baustoffen zu bauen. Gerade letzteres klingt logisch, aber ich habe schon andere Fluchtwege gesehen. Mit katastrophalen Folgen. Dazu gehört aber auch ein anderer Punkt: Die Rauchausbreitung verhindern. Es bringt nichts, wenn der Fluchtweg nicht brennt, aber so voll giftiger Rauchgase ist, dass man keine zwei Meter weit kommt. In Bayern ist es darum seit einigen Jahren Vorschrift, dass in Mehrfamilienhäusern die Türen zu den Rettungswegen selbstschließend sind, denn das schließen der Türe wird von flüchtenden Personen meistens vergessen. Das beschleunigt einerseits den Brand, andererseits sorgt es für eine Verqualmung des Fluchtweges, der dann für die anderen Bewohner unbenutzbar werden kann. Denn normalerweise bemerkt in einem solchem Fall der Bewohner der Wohnung zuerst, dass es brennt. So trivial es klingt, offene Wohnungstüren haben schon einigen unbeteiligten Mitbewohnern das Leben gekostet.

Der organisatorische Brandschutz. Bei diesem Punkt geht es zuerst darum, die Gefahr der Brandentstehung zu minimieren. Dies betrifft nicht nur die bauliche Ausführung sondern insbesondere auch die Nutzung (Reduzierung der Brandlast). Ziel ist es dabei, die Rettung gefährdeter Personen zu ermöglichen (eher die logistische Betrachtung), den Brand auf einem möglichst kleinen Raum zu begrenzen und die Folgeschäden möglichst gering zu halten. Wichtig ist auch, dass man den Brand frühzeitig erkennt: Durch Rauchmelder. Denn die sorgen dafür, dass man den Brand rechtzeitig bemerkt und ihn eventuell noch löschen kann oder wenigstens dafür, dass man noch fliehen kann.
Achtung: Wenn ein Feuer während dem Schlafen ausbricht, dann wacht man NICHT automatisch auf!

Der anlagentechnische Brandschutz. Wie der Name schon sagt. Dazu gehören vor allem Anlagen, die die Brandausbreitung verhindern oder verzögern. Das sind hauptsächlich Sprinkleranlagen und die Löschung mittels Inertgasen bei elektrischen Anlagen. Auf diesen Bereich sollte man nicht ausschließlich setzen, denn kein Brand ist immer noch besser als ein gelöschter Brand. Die Amerikaner sehen das zum Teil ein bisschen anders und halten davon sehr viel. Allerdings kann dieser Brandschutz erst greifen, wenn die Anlage installiert und am Netz ist.

Der abwehrende Brandschutz. Mit anderen Worten: Automatische Löschsysteme und die Feuerwehr. Wenn dieser zum Tragen kommt, dann ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Auf diesen sollte man nur sehr begrenzt setzen: Die autarken Löschsysteme haben nur einen begrenzten Wasser- oder Gasvorrat und die Feuerwehr braucht durchschnittlich 10 Minuten bis zum Einsatzort. Bis dahin ist im Brandfall der Drops gelutscht und es geht nur noch um Rettung und das Verhindern des Übergriffs auf andere Gebäude(teile). Das musste auch die Feuerwehr im nachfolgenden Video feststellen:

Der Brand fand vor nicht einmal einem Jahr (25.3.2014) in Houston statt und das Gebäude dürfte so NIEMALS in Deutschland gebaut werden, denn es wurde praktisch vollständig auf den vorbeugenden Brandschutz verzichtet. Man kann sehr gut erkennen, was der abwehrende Brandschutz bei einem gut brennbaren Gebäude im Vollbrand ausrichten kann: Nichts. Man sieht die Feuerwehr ja ab und zu alibimäßig an einem noch nicht lichterloh brennenden Gebäudetrakt löschen (steht innen vermutlich an einigen Stellen trotzdem schon in Vollbrand). Viel bewirken kann sie da allerdings schon nicht mehr. Man sieht sehr gut, dass praktisch alles in Holzbauweise errichtet wurde, nur die Aufzugsschächte sind aus Beton. Das war auch das einzige, was von dem Gebäude am Ende noch stand. Wie ich schon angedeutet habe, setzt man in Amerika stark auf den anlagentechnischen Brandschutz. Der Haken ist allerdings: Wenn er wie in diesem Fall noch nicht installiert ist oder die Technik ausfällt, dann hat man halt keinen.

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