Marrce lernt Siwawi – Das Sodis-Verfahren

Dann kann es ja endlich mal mit dem ersten „eigentlichen“ Artikel dieser Reihe losgehen. „Siwawi“ ist übrigens bei uns die gängige Abkürzung für Siedlungswasserwirtschaft, denn das jedes Mal zu schreiben dauert zu lange. Wir kürzen bei uns eigentlich so ziemlich jedes Modul ab, das geht einfach schneller. In der Regel sind die Abkürzungen auch einleuchtend, aber wenn man den Modulnamen nicht kennt, dann steht man selbst auch gerne auf dem Schlauch, denn die Auswahl ist groß.

Die Idee zu diesem  Beitrag ist mir heute beim Frühstück gekommen und meiner Meinung nach ist das auch ein sinnvolles Thema, mit dem jeder etwas anfangen kann und das von großem praktischen Nutzen ist.

Worum geht es bei diesem Verfahren? Sodis steht für „solar water desinfection“ (solare Wasserdesinfektion) und beschreibt eine Methode mit der es unter allereinfachsten Umständen möglich ist, Wasser so weit zu entkeimen, dass es unbedenklich trinkbar ist und man keinen Durchfall davon bekommt.

Wer hat es erfunden? Wie in der Ricola-Werbung: Die Schweizer. Und zwar die Eawag (Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz) der ETH-Zürich.

Was brauche ich alles dazu? Nicht sonderlich viel: Eine klare, transparente Glas- oder PET-Flasche mit höchstens 3 Litern, Sonnenlicht, bei starker Wasserverschmutzung gegebenfalls einen Filter.

Wie läuft das ab? Zuerst die Flasche mit Seife gründlich reinigen. Danach die Wasserqualität überprüfen: Die Flasche vollständig füllen und auf eine Zeitung stellen. Jetzt von oben durch die Öffnung auf den Boden schauen. Kann man die Überschrift noch lesen, ist das Wasser geeignet, ansonsten vorher filtern. Die Bestimmung der Trübung (hier <30 NTU) ist wichtig, da die Schwebstoffe das Licht streuen und als Rückzugsort und Nahrungsquelle für Keime dienen können. In Deutschland darf die Trübung übrigens höchstens 1 NTU betragen. Die Flasche in die Sonne legen. Bei weniger als 50% bedeckten Himmel genügen 6 Stunden (ein Tag in der Sonne liegen lassen) für eine vollständige Entkeimung, bei stärker bedeckten Himmel zwei Tage. Für Regen ist das Verfahren nicht geeignet, weil zur Desinfizierung die UV-Strahlung der Sonne verwendet wird. Bei Regen wird empfohlen, behelfsweise das Regenwasser zu sammeln und zu trinken.

Was muss man sonst noch beachten? Nicht viel. Damit das Wasser nicht wieder verkeimt, sollte es direkt aus der Flasche getrunken werden oder zum Trinken in ein Glas umgefüllt werden. Nicht das desinfizierte Wasser in andere Behälter zur Lagerung umfüllen.

Wie sieht es mit der Wirkung aus? Das Verfahren ist für den Einsatz in der dritten Welt gedacht und daher wurde die Wirksamkeit für dortige Verhältnisse, bei 6 Stunden Sonnenschein und 40°C Wassertemperatur, untersucht. Folgende Bakterien werden dabei zu 99,999% abgetötet: E. coli (Indikator für Wasserqualität, Enteritis), Vibrio cholera (Cholera), Salmonella spp. (Thyphus), Shigella flexneri (Ruhr), Campylobacter jejuni (Ruhr), Yersinia enterocolitica (Durchfall). Das Rotavirus wird zu 90% entfernt, das Polio-Virus zu 99,9 bis 99,99%. Bei den Parasiten wirkt diese Methode schlechter, da diese deutlich resistenter gegen UV-Strahlung sind. Die Zysten der Giardia spp. (Giardiasis) werden inaktiviert, die der Cryptosporidium spp. (Cryptosporidiasis) erst nach einer Bestrahlungsdauer von über 10 Stunden. Auf die Gattung der Amoeba spp. (Amibiasis) hat das Verfahren keine Auswirkung, diese wird erst bei einer Wassertemperatur von über 50°C über mehr als 1 Stunde inaktiviert.

Das war es in aller Kürze zum Sodis-Verfahren. Wer darüber noch mehr wissen will, kann sich hier darüber schlau machen.

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