Zwischenbericht (2) – Knall dir die Folien ins Hirn

Und weiter gehts!

Letzte Woche war dann natürlich schon der Brandschutz vorbei und es ging für mich darum die Siedlungswasserwirtschaft zu lernen. Auch dieses Themenfeld wollte ich „nebenher“ aufbereiten, aber das war zu umfangreich, also werde ich das dann nachreichen.

Siedlungswasserwirtschaft. Eine Woche Zeit, in der es galt sich 994 Folien ins Hirn zu hämmern. Und zwar so, dass man sie in einer mündlichen Prüfung auch wieder sofort abrufen kann. Und die Folien waren voll. Sehr voll.

Das Prinzip unseres Profs ging ungefähr so:

  1. Folie in Standardschrift beschreiben
  2. Folie ist voll. Leider soll da also noch mehr drauf, also Schrift verkleinern!
  3. Weiterschreiben. Mist, die Folie ist ja schon wieder voll! Orrr!
  4. Dann mache ich halt die Schrift nochmal kleiner…
  5. Die Schritte 3 und 4 so lange wiederholen, bis alles drauf ist, was drauf soll

Manche Folien hatten dann halt 17 Zeilen Text. Oder Tabellen, die vorher eine A4 Seite gefüllt hatten. Oder mehrere komplexe Schemata von Abläufen und Bauweisen. Meine Begeisterung war auf jeden Fall riesig. Aber was solls, immerhin hab ich mich ja freiwillig dazu entschlossen.

Gerade die Vorlesungen mit mehr als 160 Folien waren ein zäher Kampf, aber am Ende hatte ich dann doch alle Folien auf 10 1/2 Seiten zusammengefasst. Irgendwie muss der Stoff ja ins Hirn, immerhin hatte ich ja die Prüfung letztes Jahr geschoben. Am Ende sah dann die Zusammenfassung so aus:

Siwawi MSc Z, Seite 2Am Montag war dann die Prüfung. Geplant für 15:00 Uhr. Nicht meine Lieblingsuhrzeit. Ich mag die Prüfungen am Morgen ja lieber, aber ich kann es ja nicht groß ändern. Die Hochbauer dieses Semester haben übrigens erst um 16 Uhr angefangen, die waren da ja noch schlechter dran. Meine Wenigkeit hat sich also mittags zur Uni aufgemacht, um dort nochmal die ganzen zusammengefassten Aufzeichnungen durchzugehen.

Nebenbei habe ich noch eine Kleinigkeit gegessen und mit Zucker und Kaffee ein bisschen meiner Aufmerksamkeit nachgeholfen. Um halb bin ich dann gemütlich zum Prüfungsgebäude gegangen und habe erst einmal festgestellt, dass der vor mir immer noch draußen stand. Die Verspätung lag dann bei 30 Minuten, also eine Prüfung im Rückstand. Als dann mein Vorgänger dran war, habe ich zur Ablenkung halt nochmal meine Aufzeichnungen überflogen, das hat gut gegen die aufkommende Nervosität geholfen. Und dann war ich um 15:30 auch schon dran…

Die Prüfung war im Büro des Profs. Sein Mitarbeiter hat das Protokoll geschrieben und der Chef selbst war ziemlich entspannt. Es war ja bekannt, dass er allen am Tag immer die gleichen Fragen stellt, damit es fair bleibt. Da allerdings die Fragen den gesamten Inhalt des Moduls praktisch lückenlos abdecken, ist das auch schon fast wieder egal. Aber ich mag die konkreten Fragen ja lieber als „erzählen sie mal, was ihnen dazu alles einfällt“. Bei der letzten „Fragestellung“ kann man ja nur verlieren.

Nach dem einleitenden Satz „wir haben uns ja in diesem Semester mit dem Wasser beschäftigt…“ ging es auch schon los. „Am Anfang hatten wir uns ja mit der Trinkwassergewinnung beschäftigt, woraus gewinnen wir denn Trinkwasser?“ Ein ziemlich leichter Einsteiger, bei dem auch nichts angebrannt ist. Es hat ein bisschen gedauert bis ich auf die Talsperren gekommen bin, gab aber keinen Minuspunkt, weil ja Talsperren auch nur Seewasser enthalten und das mein erster Punkt der Aufzählung war (am Beispiel Bodensee).

Weiter ging es dann mit dem Aufzählen möglicher Inhaltsstoffe des Rohwassers, deren Herkunft und der Frage, ob man eine Verkeimung schon vor der eigentlichen Aufbereitung in den Griff bekommen kann. Auch das war jetzt keine wirkliche Herausforderung, genauso wenig wie die Möglichkeiten der Keimbekämpfung („das muss ich sie jetzt auch fragen, denn das habe ich die vor ihnen auch gefragt, auch wenn sie die Antwort vorher schon fast gesagt haben“) und wie man bei Bedarf den Nitratgehalt senken kann.

Dann ging es auch schon zu seinem Lieblingsthema, den Filtern. Einmal die Grundlagen der Filterbemessung nennen und einen Zweischichtfilter skizzieren und erklären. Bei dem hab ich dann leider die Stauhöhenregulierung vergessen, sonst hat das aber gepasst.

Die Frage „was man denn mit dem Filterrücklauf macht“ war dann auch die Überleitung zu den Kläranlagen. Einmal Entlastungsmöglichkeiten (Becken/Überlauf), Aufbau und Nitrifikation/Denitrifikation erklären und dann ging es schon zur Schlammbehandlung. Und dann war er schon mit seinen Fragen durch. Nach 20 Minuten. Hat mich dann doch überrascht. Aber wer „schnell antwortet verkürzt die Prüfung“.

Auch die Diskussion über die Note war erstaunlich schnell beendet, nach nicht einmal einer Minute waren sich beide einig; ich hatte kaum Zeit den Kalender im Sekretariat (dreimal so groß wie sein Büro) ausgiebig zu bewundern.

Die Notenbekanntgabe dauerte dann etwas länger, was aber nicht an den Fehlern lag. Die Prüfer haben noch einmal ordentlich die Werbetrommel für sich gerührt und meinten, ich müsse unbedingt Siedlungswasserwirtschaft vertiefen, denn ich „hätte mich da ja schon so reingefuchst“. Mal sehen, vielleicht fülle ich damit noch ein bisschen meine Wahlmodule auf, denn so eine 1,0 macht sich ja ganz gut im Zeugnis…

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2 Antworten zu Zwischenbericht (2) – Knall dir die Folien ins Hirn

  1. Fresh-Air schreibt:

    cool… Gratulation!….
    Und wenn Du dann mal auf Jobsuche bist, wirst Du feststellen, dass Siedlungswasserwirtschaft definitiv eine richtige Entscheidung gewesen wäre, wenn Du Dich dafür entschieden hättest… Expertenwissen ist gesucht und daher auch verhältnismässig gut vergütet…. aber zum Glück gehts ja nicht immer nur um die liebe Kohle… Ein ganzes Leben lang sich mit so einem langweiligem Fach rumschlagen? *grins*

    • Marrce schreibt:

      Danke 🙂
      Ich habe auch vor meine Wahlmodule noch mit Siedlungswasserwirtschaft zu bestücken, bis zur ordentlichen Vertiefung würde mir dann nur noch eine Studienarbeit (und je nach Lust und Laune: Wasserwirtschaft) fehlen… Wird dann halt eine unechte Vertiefung^^

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