Morgens um halb zehn – Der Arbeitsalltag eines Bauarbeiters

Wenn man über Bauarbeiter spricht, heißt es meistens, dass sie faul sind, nichts tun und die meiste Zeit Pause machen. Diese Vorurteile halten sich hartnäckig, auch weil in der Baubranche zwei Pausen üblich sind. Das ist gut so und hat auch seinen Grund.

Meine Wenigkeit hat für das Studium auch einige Baustellenpraktika gemacht. Als angehender Ingenieur wird man dabei wie ein Aushilfsarbeiter eingesetzt, mit dem einzigen Unterschied, dass das Gehalt das eines Praktikanten ist und die Bezahlung zwischen 0 und 400€ pro Monat beträgt.

Damit ihr euch mal einen Einblick in den Arbeitsalltag eines Bauarbeiters machen könnt, stelle ich euch mal „Willi“ und seinen Tagesablauf vor. Willi ist übrigens ein ganz gewöhnlicher Bauarbeiter, von mir aus Betonbauer oder Maurer.

5:30 Uhr

Willi verlässt das Haus und steigt in den Firmenwagen ein, der vor seiner Wohnung hält. Willi wohnt ein bisschen Außerhalb auf dem Land und außerdem hat er keinen Führerschein. Daher sind für ihn die Fahrten durch den Firmenfuhrpark sehr willkommen, selbst viele Arbeiter mit Führerschein und Auto nutzen sie, denn das spart die Spritkosten. Für diese Fahrten werden normalerweise die normalen Pritschenwagen eingesetzt, bei Bedarf mit Doppelkabine. Da bekommt man zur Not auch 7 Leute unter.

5:55 Uhr

Ankunft auf dem Firmengelände. Heute war weniger los und um 6 Uhr treffen sich alle Fahrzeuge der Firmenfuhrparks am Lager zusammen mit den restlichen Arbeitern die mit ihren eigenen Autos dorthin fahren. Jetzt werden auch die Laufzettel verteilt, auf denen steht wer heute wo mit welchem Auto ist und was man dafür aus dem Lager mitnehmen muss. An der Säule hängt ein Zettel, dass wegen dem vielen Schlechtwetter die Wochenarbeitszeit im Sommer von 41 auf 42 Stunden erhöht wird, das heißt statt 8,75 sind es heute 9 Stunden.

6 Uhr

Jeder Fahrer hat seinen Laufzettel und die anderen Bauarbeiter haben sich zu ihren heutigen Fahrern sortiert. Jetzt wird das ganze Material zusammengesucht und auf das Auto geladen.

zwischen 6:15 und 6:30 Uhr

Alle Sachen sind auf das Auto geladen und halbwegs gesichert. Auf gehts zur Baustelle. Wenn mal kein Auto auf der Baustelle gebraucht wird, wird man zum Teil von Kollegen die ein Auto brauchen bis zur Baustelle mitgenommen.

zwischen 6:45 und 7 Uhr

Ankunft auf der Baustelle. Willi und seine Kollegen bringen erst einmal ihre Sachen in den Baucontainer. Da man nie weiß wo man morgen eingesetzt wird, nimmt man abends einfach alles wieder mit. Man wartet schläfrig bis es endlich 7 wird.

7 Uhr

Es geht an die Arbeit. Ab jetzt ist Arbeitzeit und es wird Geld verdient.

zwischen 9 und 9:30 Uhr

Nachdem Willi jetzt schon seit mindestens viereinhalb Stunden auf Achse ist, kommt die Frühstückspause gerade richtig. Je nach Firma ist die Brotzeit zwischen 9 und 9:30 Uhr und dauert zwischen 15 und 30 Minuten.

nach der Pause

Frisch gestärkt geht es wieder ans Werk. Im Sommer ist es jetzt noch nicht ganz so warm, dementsprechend ist jetzt die produktivste Zeit auf der Baustelle. Die nächste Pause ist relativ nah und man ist noch nicht Müde vom vielen Schleppen.

12 Uhr

Mahlzeit! Jetzt ist Mittag und es gibt wieder was zu futtern. Die Mittagspause dauert je nach Firma zwischen 30 und 45 Minuten, so dass man in Summe auf eine Stunde kommt. Die Zeit ist allerdings nicht fix, wenn die Baustelle weiter weg ist wird sie häufig verkürzt, damit man dann früher Feierabend machen kann und nicht ganz so spät zu Hause ist. Gegen Ende der Mittagspause ist Willi schon etwas träge, der Arbeitstag war anstrengend und jetzt kommt die ungeliebte Nachmittagseinheit. Im Sommer ist es häufig richtig heiß, Schatten ist Mangelware und bis Feierabend gibt es keine Pause mehr – das zieht sich immer hin wie Kaugummi.

Nach der Pause

Die Motivation ist auf dem Tiefpunkt. Bis Feierabend ist noch lange hin, aber so richtig Lust hat Willi keine mehr. Hilft aber alles nichts, da muss Willi jetzt durch. Noch 4,5 Stunden sind totzuschlagen.

16:45 Uhr

Noch eine viertel Stunde bis Feierabend. Zeit die Werkzeuge aufzuräumen und grob die Baustelle sauber zu machen. Willi will ja nicht unbezahlte Überstunden machen.

17 Uhr

Feierabend. Nichts wie zurück in den Baucontainer, Sachen packen und ab ins Auto. Rückfahrt zur Firma ist angesagt, da die Arbeitszeit hier endet ist trödeln ab jetzt fehl am Platz.

zwischen 17:15 und 17:30 Uhr

Ankunft der Fahrzeuge am Lager. Wer zuerst da ist hilft den anderen beim Abladen ihres Fahrzeuges, denn bevor die Fahrgruppe kein leeres Fahrzeug hat, geht es nicht nach Hause. Außerdem müssen Willi und seine Kollegen noch auf jemanden warten, dessen Baustelle etwas weiter weg liegt. Dann ist Heimfahrt angesagt.

18 Uhr

Willi wird vom Fahrservice vor seiner Haustüre abgesetzt. Ein langer Arbeitstag geht zu Ende. Er freut sich schon auf Freitag, da muss er nur bis 14 Uhr arbeiten, aber da Auftragslage und Wetter gut sind, wird er wohl auch am Samstag arbeiten, mindestens so lange wie am Freitag, denn sonst lohnt sich das ja nicht. Das bringt Überstunden, die er dann im Winter nicht arbeiten braucht.

 

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